12
Jul

Anetts letzter Herzenswunsch

Das Leben steckt voller Überraschungen – doch leider nicht nur mit positiven. Um Personen mit besonders schweren Schicksalsschlägen Herzenswünsche zu erfüllen, waren ehrenamtliche Helfe des Roten Kreuzes fleißig unterwegs und sorgten für viele unvergessliche Momente.

Berchtesgadener Land/Landkreis Rosenheim – Die ehrenamtlichen Helfer vom Herzenswunsch Hospizmobil des Roten Kreuzes sind aktuell mehrmals die Woche auf Fahrten für schwer kranke Menschen unterwegs und erfahren immer wieder aufs Neue, wie einzigartig und kostbar ganz besondere Augenblicke und menschliche Begegnungen im Leben sind, da sich von einem Moment auf den anderen durch schwere Schicksalsschläge völlig unerwartet alles ändern kann; so auch bei der erst 51-jährigen Anett, die vor rund eineinhalb Jahren die Diagnose „Amyotrophe Lateralskelrose (ALS) im fortgeschrittenem Stadium“ bekam – eine nicht heilbare neurodegenerative Erkrankung, die eine ganz bestimmte Gruppe von Nervenzellen betrifft, zunehmend die Atmung einschränkt und die Lebenserwartung auf rund drei bis vier Jahre reduziert.

Die Ärzte schätzten damals, dass sie maximal noch ein Jahr am Leben bleiben würde. Ihr Ehemann versorgte die zunehmend pflegebedürftige Frau liebevoll zuhause in den eigenen vier Wänden, als dann völlig unerwartet der nächste Schicksalsschlag folgte: Auf dem Rückweg vom Einkaufen brach er bewusstlos zusammen und verstarb; seitdem ist die unheilbar kranke Frau auf sich allein gestellt, wobei sie mit Hilfe ihrer Freundinnen nach einiger Zeit wieder ins Leben zurückfand. „Wir haben von der bewegenden Geschichte erfahren und wollten Anett ihren großen Herzenswunsch erfüllen, noch einmal das Grab ihres Mannes und ihre Freundinnen zu besuchen“, berichtet BRK-Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter.

Die Rotkreuzler holten Anett im Chiemsee-Hospiz Bernau ab und fuhren mit ihr zum Friedhof nach Bad Endorf, wo sie bereits durch ihre Freundinnen erwartet und herzlich empfangen wurde. Nach dem Besuch am Grab ihres Mannes ging es weiter in einen bäuerlichen Gasthof, wo die Frauen ihr Wiedersehen feierten. Anett hatte viel Zeit, sich mit ihren Weggefährtinnen zu unterhalten, und natürlich durfte ein gutes Gläschen dabei nicht fehlen. Der für Anett sichtlich anstrengende, aber voller Emotionen und Freude geprägte Tag fand auf der Heimfahrt mit einer Pause in der gewaltigen Naturlandschaft des Chiemsees einen krönenden Abschluss.

 

Bild: Die beiden Rotkreuzlerinnen Barbara Horak (links) und Adelheid Pitz (rechts) mit der schwer kranken Anett (51).
© Bayerisches Rotes Kreuz (Berchtesgadener Land/Rosenheim: BRK erfüllt letzten Herzenswunsch von Endorferin Anett (51) | Bayern (rosenheim24.de)

Aufnahme im Chiemseehospiz Bernau

Das Chiemseehospiz nimmt Menschen über 17 Jahren, mit fortgeschrittener und fortschreitender Erkrankung auf, die nur eine sehr begrenzte Lebenserwartung haben, bei denen keine Aussicht auf Heilung besteht, eine palliativ-pflegerische bzw. palliativ-medizinische Versorgung notwendig ist und eine Krankenhausbehandlung nach § 39 SGB V nicht erforderlich ist. Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass die Betreuung zuhause nicht mehr sichergestellt werden kann und auch durch eine stationäre Pflegeeinrichtung nicht adäquat abgedeckt werden kann. Die Einweisung erfolgt über den Hausarzt, oder Ärzte aus dem Krankenhaus.

Aufnahmekriterien sind

eine progrediente, weit fortgeschrittene Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung (von wenigen Tagen, Wochen oder Monaten), wie onkologische Erkrankungen mit Symptomlast, AIDS, neurologische Erkrankungen, Nieren-, Herz-oder Lungenerkrankung im Endstadium.

Aufklärung über Erkrankung und deren Prognose (Patient bzw. auch rechtliche Vertretung)

Einverständnis des Betroffenen zur Aufnahme im Hospiz

ambulante Versorgungsmöglichkeiten sind abgeklärt und ausgeschöpft, die Versorgungsmöglichkeit im Heim ist aufgrund der aktuellen oder zu erwartenden hohen Versorgungsanforderung ausgeschlossen und/ oder aufgrund der Situation und Symptomlast nicht angemessen

Aufnahmeprocedere

telefonische Anfrage, ob ein Hospizplatz frei ist
Fax an uns mit Notwendigkeitsbescheinigung, die der einweisende Arzt ausfüllt und Antrag nach §39a, die der Betroffene oder sein/e Bevollmächtigte/r ausfüllt
suchen eines neuen Hausarztes vor Ort, falls der bisherige die Betreuung im Chiemseehospiz in Bernau nicht übernimmt
die Aufnahme erfolgt nach Genehmigung durch die Krankenkasse
Das Chiemseehospiz möchte Menschen, egal welcher Herkunft oder Religion, die diese Kriterien erfüllen, ein sicheres Zuhause für die letzte Lebensphase bieten.

Kontakt und Anfahrt zum Chiemseehospiz Bernau

GESCHÄFTSSTELLE

CHIEMSEEHOSPIZ BERNAU
Baumannstraße 56
83233 Bernau

Tel.: 08051 - 96 18 55 -0